Dein Welpe knabbert alles an? Ursachen und Erziehungstipps

Welpen wollen die Welt entdecken – mit allen Sinnen. Die Welpenzeit ist für jeden Junghund eine Zeit voller Entdeckungen und Wachstum. Doch was ist zu tun, wenn die Zähne deines Juniors vor nichts und niemandem halt machen? Noch richten die kleinen Zähnchen deines Schützlings keine großen Schäden an. Innerhalb der nächsten Monate wird jedoch auch sein Gebiss wachsen. Es gibt verschiede Gründe dafür, warum dein Welpe an allem knabbert und kaut, was nicht niet- und nagelfest ist. Wir zeigen dir, wie du das Kauproblem deines Junghundes in den Griff bekommst, und erklären dir mögliche Ursachen und Lösungsmöglichkeiten!

Warum knabbern Welpen so viel?

Dass Welpen mit all ihren Sinnen die Welt entdecken wollen, ist vollkommen natürlich. Auch das Knabbern und Kauen gehört dazu. Wenn dir jedoch auffällt, dass dein Hund unangemessen viel knabbert und seine Opfer nicht Spielzeug und Kauknochen, sondern Stuhlbein und Kissen sind, können folgende Ursachen dahinterstecken:

  • Zahnwechsel
  • Unterforderung oder Überforderung
  • Langeweile oder mangelnde Aufmerksamkeit
  • Stress, Angst oder Nervosität
  • Erkundungslust (in der Pubertät)
  • organische oder psychische Erkrankungen (bei Verdacht bitte sofort den Tierarzt kontaktieren)

Der Zahnwechsel beim Hund: Gib deinem Welpen Kauknochen oder Kauspielzeuge

Der Zahnwechsel kann wie bei Menschenkindern eine schmerzvolle Phase sein. Auch Welpen wechseln ihre Milchzähne. Ab der 16. Lebenswoche beginnt der Zahnwechsel bei einem Welpen und dauert ungefähr bis zum 7. Monat an. In dieser Zeit empfinden Welpen das Losewerden und Herausfallen ihrer Zähne als unangenehm, weswegen sie gerne an Kauartikeln nagen. Dies lockert die Milchzähne weiter und mildert das Jucken des Zahnfleisches. Außerdem massiert das Kauen das Zahnfleisch, während die neuen Zähne nachwachsen. In dieser Zeit empfehlen wir, deinem Hund immer die Möglichkeit zu geben, an etwas zu knabbern – egal, ob an Kauknochen oder Kauspielzeug.

Über- und Unterforderung des Welpen führen zu übermäßigem Kauen

Junghunde wollen die Welt entdecken, lernen und gefordert werden. Im Berufsalltag ist es für Hundebesitzer*innen nicht immer einfach, den geliebten Welpen zu unterhalten und auszulasten. Somit kommt es leider häufig zum Zerstören von Gegenständen durch Langeweile und Unterforderung. Unterforderung beim Welpen kann auf zwei Ebenen stattfinden: geistig und körperlich. Je nach Hunderasse unterscheidet sich, wie viel Auslastung dein Welpe benötigt. Vor allem Arbeitshunde wie Hirtenhunde, Herdenschutzhunde, Schlittenhunde oder Jagdhunde wurden ursprünglich gezüchtet, um ihre jeweilige Funktion zu erfüllen. Das Bedürfnis, körperlich und geistig ihren Aufgaben nachzukommen, steckt somit tief in ihnen. Hast du einen solchen Hund, sind  auslastendes Training und aktive Alltagsgestaltung ein absolutes Muss – sowohl in der Welpenzeit als auch darüber hinaus. Aber auch Hunde anderer Rassen brauchen ein gewisses Maß an Forderung. Für manche sind ein Intelligenzspielzeug und ein großer Spaziergang im Park ausreichend. Andere freuen sich eher über Agility, Suchspiele oder Denksport. Probiere es aus: Übe vermehrt Tricks mit deinem Hund und beobachte, ob er aufhört, alles anzuknabbern. Achte dennoch darauf, dass du deinen Welpen nicht überforderst. Denn auch Überforderung kann zu einem unerwünschten Verhalten führen. Junge Hunde benötigen zwischen 20 und 22 Stunden Schlaf am Tag. Und diese Ruhe solltest du deinem Schützling auf jeden Fall gönnen.

Wie viel Stress verträgt ein Welpe?

Negativer Stress kann deinen Welpen stark belasten, zu Angstzuständen führen und sogar krankhaftes Verhalten auslösen. Dass dein Hund psychischem Stress ausgesetzt ist, erkennst du daran, dass er sich z. B. selbst übermäßig oft das Fell leckt oder an den Pfoten knabbert. Jeder Welpe hat eine individuelle Persönlichkeit und Stressresistenz. Du solltest deswegen darauf achten, welche Umweltreize den Stress deines Welpen auslösen. Folgende Situationen können deinen Junghund stressen:

  • zu viel Training mit zu wenigen Pausen
  • Langeweile
  • Trennungsangst
  • Trauer
  • Hunger
  • Einsamkeit
  • Unsicherheit
  • Mobbing unter Hunden
  • Angst vor Gefahren
  • Bedrohungen
  • Gewalt

Wenn dein Hund unter psychischen Problemen leidet, empfehlen wir dir, professionelle Hilfe von einem Hundetrainer oder einem Tierpsychologen in Anspruch zu nehmen. Häufig versuchen Hunde, ihren Stress durch Knabbern abzubauen und sich somit zu beruhigen. Vor allem bei Trennungsangst zeigt sich dieses Verhalten immer wieder. In diesem Fall solltest du das Alleinbleiben in kleinen Schritten trainieren.

Dein Hund ist nervös? Hilf deinem Welpen dabei, sich zu entspannen

Ängstliche Hunde werden schnell nervös und unsicher, wenn sie in bedrohliche Situationen geraten. Nicht immer helfen Kauknochen oder Spielzeuge, um deinen Hund zu beruhigen. Stattdessen kannst du verhindern, dass dein Welpe ständig an allem knabbert, indem du mithilfe einer Hundeschule gezielt an seinen Ängsten arbeitest. Welche Möglichkeiten hast du, um deinem Hund mehr Ruhe zu gönnen? Vielleicht ist es zuhause zu laut oder zu unruhig. Dann könntest du deinem Hund einen „privaten“ Rückzugsort einrichten, an dem er ganz für sich sein kann. Oder vielleicht unternimmst du auch zu viel mit ihm und der ständige Besuch neuer Orte überfordert ihn? In diesem Fall solltet ihr Gassi-Routinen einführen, an denen sich dein Welpe orientieren kann. Stelle ihm trotz des Trainings einige Kau-Alternativen (wie z. B. einen Kong) zur Verfügung, damit er sich in Stresssituationen durch Kauen und Schlecken entspannen kann. Wir empfehlen, hierbei auf natürliche Materialien wie eine Kauwurzel, Kaffeeholzstäbe oder Tauspielzeuge zurückzugreifen.

Junghunde in der Pubertät testen ihre Grenzen

Auch junge Hunde durchleben eine Pubertätsphase. Die Pubertät beginnt je nach Rasse, Größe und Geschlecht mit dem 6. Lebensmonat. Kleinere Rassen erleben in der Regel früher die Pubertät als große. In welchem Maße sich die Pubertät bei deinem Hund zeigt, ist je nach Charakter und Erziehung verschieden. Junghunde wollen in dieser Phase ihre Grenzen testen. Möglicherweise knabbert dein Welpe deswegen alles an. In jedem Fall solltest du deine Wohnung „welpensicher“ einrichten.
Das heißt:

  • keine losen Kabel auf dem Boden liegen lassen
  • giftige Zimmerpflanzen oder Reinigungsmittel sicher verstauen
  • alles Essbare weglegen, sodass dein Hund nicht rankommt
  • Textilien, Kleidung und Schuhe höher lagern (oder im Schrank verstauen)

Alles erledigt? Was du nun benötigst, sind Geduld und Durchhaltevermögen. Eine konsequente Erziehung ist jetzt gefragt. Erwischst du deinen Hund dabei, wie er an einem unerlaubten Gegenstand knabbert, solltest du ihn mit einem strengen „Nein“ oder „Aus“ korrigieren und ihm das Objekt seiner Begierde entziehen. Gib ihm Ausweichmöglichkeiten, wie z. B. ein Hundespielzeug oder einen Kauknochen. Aber Achtung: Zeig ihm diese Alternativen nicht, nachdem du ihn korrigiert hast, da er dies sonst als Belohnung verstehen könnte.

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