Interview mit fellomed: Allergien beim Hund

Interview mit fellomed: Allergien beim Hund

Wir haben vor kurzem die beiden Tierärztinnen und Gründerinnen von fellomed Dr. Stefanie Mallmann und Dr. Iris Wagner-Storz kennengelernt. Die beiden haben mit fellomed ein Online-Gesundheitsportal für Hund und Katze ins Leben gerufen. fellomed stellt zahlreiche Informationen zu Krankheiten und Symptomen bei den Fellnasen bereit.

Wir haben Iris und Stefanie gebeten, uns ein paar Fragen zum Thema Allergien beim Hund zu beantworten.

TeneTRIO: Welche Allergien können bei Hunden vorkommen und welche sind die häufigsten Formen?

fellomed: Wir Tierärzte teilen die Allergien beim Hund in drei große „Bereiche“ ein: die Flohspeichelallergie, die Futtermittelallergie und die Umweltallergie (atopische Dermatitis). Die allermeisten allergischen Hunde leiden an einer oder mehrerer dieser Allergieformen. Generell können Hunde aber natürlich auf so ziemlich alles in ihrer Umwelt allergisch reagieren – z.B. auf Waschmittel, Kunststoff oder Medikamente.

Die häufigste Allergieform bei Hunden in Deutschland ist die Flohspeichelallergie. Hier reagiert das Immunsystem der Vierbeiner mit einer übertriebenen Reaktion auf bestimmte Stoffe im Flohspeichel. Bei vielen Flohspeichelallergikern reicht sogar der Biss eines einzigen Flohs aus, um einen Allergieschub mit starkem Juckreiz auszulösen.

Bei einer Futtermittelallergie reagieren die Tiere – wie der Name schon sagt – auf bestimmte Bestandteile im Futter. Am häufigsten lösen Rind, Hühnchen oder Getreide die typischen Symptome aus. Im Grunde können die Hunde aber gegen alles allergisch werden, was sie schon einmal gefressen haben – die individuellen Auslöser herauszufinden ist deswegen oft nicht ganz einfach.

Die Umweltallergie, auch atopische Dermatitis genannt, ähnelt dem Heuschnupfen beim Menschen. Hunde mit einer atopischen Dermatitis reagieren mit einer übertriebenen Immunreaktion auf Stoffe in der Umwelt, wie z.B. verschiedenste Pollen, Gräser oder Hausstaub(milben). Im Gegensatz zum Menschen leiden unsere Vierbeiner aber meist nicht an einer verstopften Nase oder tränenden Augen, sondern an Juckreiz, Ohr- und Hautentzündungen.

TeneTRIO: Wie erkennt und behandelt man eine Allergie beim Hund?

fellomed: Das mit Abstand häufigste Symptom bei allergischen Hunden ist Juckreiz. Je nachdem, gegen was der Hund allergisch ist, muss der Juckreiz aber nicht ständig vorhanden sein, sondern kann auch nur zu bestimmten Jahreszeiten auftreten (z.B. bei einer Pollenallergie).

In vielen Fällen wird die Haut durch das Kratzen, Knabbern und Schlecken so in Mitleidenschaft gezogen, dass es schließlich zu einer Hautentzündung (Dermatitis) kommt. Typische Symptome sind dann Hautrötungen, Eiterpusteln, Krusten, offene/nässende Hautstellen, haarlose Bereiche oder dunkel verfärbte, verdickte Haut.

Je nach Allergieart sind allerdings auch Ohr- oder Pfotenentzündungen, Magen-Darm-Symptome oder z.B. Augenausfluss möglich.

Leider gibt es bis heute keinen verlässlichen Test, mit dem der Tierarzt ganz einfach herausfinden kann, ob bzw. gegen was ein Hund allergisch ist. Die momentan verfügbaren Allergietests haben alle eine sehr hohe Fehlerquote – auch völlig gesunde Hunde reagieren darin mit positiven Ergebnissen. Die richtige Diagnose zu stellen ist deswegen oft gar nicht so einfach – die Details würden hier allerdings den Rahmen sprengen. Wer genauer wissen will, wie man zur richtigen Diagnose kommt und was dabei beachtet werden muss, findet alle wichtigen Infos dazu in unserer Übersicht.

Theoretisch ist die Behandlung einer Allergie ganz leicht: Einfach die Stoffe meiden, die die Immunreaktion auslösen! Aber zugegeben: ganz so einfach ist es dann oft doch nicht.

Bei einer Flohspeichelallergie oder Futtermittelallergie ist eine Allergenvermeidung noch mehr oder weniger gut machbar (durch regelmäßige Flohprophylaxe bzw. Futterumstellung).Bei einer Pollen-, Gräser oder Hausstaubmilbenallergie ist es aber nahezu unmöglich den Allergenen aus dem Weg zu gehen – denn dazu müsste man schon in die Antarktis ziehen. Bei der atopischen Dermatitis versucht man deshalb entweder mit einer Desensibilisierung das Immunsystem in normale Bahnen zu lenken oder durch verschiedene Medikamente und Mittel die Symptome zu lindern.

Auch zu diesem Thema haben wir auf fellomed einen ausführlichen Artikel verfasst, in dem wir die wichtigsten Behandlungsmethoden bei Hund und Katze genau erklären.

TeneTRIO: Treten Allergien beim Hund eurer Meinung nach heutzutage häufiger auf als früher?

fellomed: Subjektiv gesehen würden wir sagen: Ja, es gibt heute mehr allergische Hunde als früher. Auch in der Humanmedizin hat man ja in den letzten Jahren eine Zunahme der Allergien beobachtet. Spezialisten sehen den Grund dafür vor allem in unserem Lebensstil und unserer Umwelt. Da sich mit unserem Lebensumfeld natürlich auch das unserer Hunde ändert, erscheint es nur logisch, dass auch unsere Haustiere immer mehr mit Allergien zu kämpfen haben.

Man darf aber auch nicht vergessen, dass der Stellenwert unserer Vierbeiner in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat und damit auch deren medizinische Versorgung immer besser wurde. Selbst die typischen Hofhunde zählen mittlerweile als Familienmitglieder und werden natürlich zum Tierarzt gebracht, wenn sie sich z.B. vermehrt jucken oder an den Pfoten knabbern. Vielleicht wird die Erkrankung heutzutage also auch einfach häufiger diagnostiziert, weil mehr Besitzer mit ihrem Hund zum Tierarzt gehen bzw. sich nicht mit einer Spritze vom Tierarzt zufriedengeben, sondern auch die Ursache für die Symptome wissen wollen.

TeneTRIO: Kann ich Allergien vorbeugen und wenn ja, wie?

fellomed: Enttäuschender Weise müssen wir auf diese Frage mit Nein antworten. Leider gibt es bis heute kein Mittel oder kein Rezept wie man der Entwicklung einer Allergie vorbeugen kann – dafür spielen bei der Entwicklung der Krankheit zu viele Faktoren eine Rolle. Allerdings wird auf diesem Gebiet jedoch viel geforscht, sodass wir hoffentlich bald neue Erkenntnisse haben.

Weil die Erkrankung jedoch nachweislich auch eine vererbbare Komponente besitzt, sollte man es unbedingt vermeiden mit betroffenen Tieren zu züchten, um das Allergierisiko bei den Nachkommen zu senken.

Die beiden Gründerinnen von fellomed

Danke an die Mädels von fellomed über die interessanten Erkenntnisse zum Thema Allergien! Hat dein Hund auch eine Allergie oder hast du noch weitere Fragen? Dann schreib uns gerne einen Kommentar oder eine Nachricht und wir antworten dir schnellstmöglich.

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